
AUSWIRKUNGEN AUF DAS FAMILIENLEBEN AUFGRUND EINER LEBENSBEDROHLICHEN ALLERGIE
•Das soziale Umfeld schrumpft zwangsweise
•Psychische Auswirkungen bei Kind und Eltern
•Auch die Gesundheit der Eltern ist in Gefahr
•Das Familieneinkommen sinkt erheblich
•Die Ausgaben aufgrund der Allergie sind nicht zu unterschätzen
Es gibt Studien zu den ökonmischen Auswirkungen einer Lebensmittelallergie aus Schweden und Kanada, bei den dort angegebenen Kosten finden wir uns in der Praxis aber nicht wieder.
Das soziale Umfeld
Schrumpft zwangsweise, weil viele Bekannte, Freunde, aber auch Familienangehörige nicht verstehen können oder wollen, welch ein Risiko die Allergie bedeutet. Da es dem Umfeld nicht gelingt auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, ist man von vornherein von vielen Dingen ausgeschlossen. Sei es bei Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Familientreffen, aber auch bei Vereinsfesten, etc.
Wenn dein Kind auf kleinste Spuren reagiert, sind Begegnungen wo z.B. dreißig verschiedene Personen etwas zu essen mitbringen der blanke Horror. Da bekommt das Kind auch schon mal direkt eine Schüssel mit Nüssen direkt vor die Nase gestellt, mit dem Kommentar, was soll schon sein, obwohl man extra im Vorfeld darum gebeten hat Vorsicht walten zu lassen.
Bei starken Fällen kann man Restaurants und Gasthausbesuche getrost streichen, ebenso Kinobesuche, weil jeder rundum etwas zu knabbern dabeihat. Schon der Besuch bei jemanden der regelmäßig das Allergen verzehrt und wo in der ganzen Wohnung dementsprechende Spuren in Form von Bröseln herumliegen ist schwierig. Dein Kind wird nicht mehr zum Spielen eingeladen, weil es anderen Eltern lästig ist auf die Allergie Rücksicht zu nehmen.
Spontan gut gemeinte Aktionen, wie wenn jemand für die ganze Mannschaft oder Klasse etwas zu knabbern oder ein Eis mitbringt, sorgt für Frust beim Kind, da es wieder mal außen vor bleibt. Diese Beispiele wären noch um viele Punkte weiterzuführen.
Psychische Auswirkungen
Wie fühlt man sich als Kind, wenn dich eine Mahlzeit oder eine Berührung in der Vergangenheit fast das Leben gekostet hat? Erinnerung an die Schmerzen, die Angst und Panik bei der Anaphylaxie bei gleichzeitigem der Situation völlig hilflos ausgeliefert sein? Schon viele Erwachsene werden durch Extremsituationen wie Herzinfarkt oder Verkehrsunfall aus der Bahn geworfen, was passiert da erst mit einem Kind? Es braucht sehr viel Einfühlungsvermögen, Zeit und Verständnis von den Eltern das Kind wieder an ein normales Verhalten, z.B. beim Essen heranzuführen. Noch wichtiger das Urvertrauen zu den Eltern, wenn man bei der Therapie jeden Tag etwas essen soll, was einem nicht gutgetan hat.
Wie geht man als Eltern bei extrem starken Allergien damit um, zu wissen, dass es in erster Linie auf einen selbst ankommt? Wenn das Kind bei der letzten Anaphylaxie so schnell und stark reagiert hat, dass es ohne sofortige Notfallbehandlung nicht mal das Eintreffen des Notarztes erlebt hätte? Anaphylaxien treten nicht zwangsweise sofort nach dem Essen auf, auch zeitverzögert, nach Anstrengung oder Schleimhautkontakt z.B. durch Spurenübertragung. Das Kind nie unbeobachtet lassen zu können ist eine große Bürde. Wissen, Informationen, gute Vorbereitung und Notfalltraining sind gute Hilfen um auch mental gerüstet zu sein.
Leider gibt es von öffentlicher Seite keinerlei Unterstützung zu dem Thema z. B. in Form von psychosozialer Beratung.
Gesundheit der Eltern
Der hohe zusätzliche Zeitaufwand durch die Allergie, führt dazu, dass irgendwo Abstriche gemacht werden, wo es denn möglich ist. Somit trifft es oft die Gesundheit der Eltern zusätzlich, weil regelmäßiger Sport, Wahrnehmen von regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen, Ausgleich und Entspannung unter den Tisch fallen. Schlafmangel und Stress wirken zusätzlich negativ.
Das Familieneinkommen
Verminderung der Familienarbeitszeit um ca. 25%, damit verbunden natürlich ein starker Rückhang des Familieneinkommens:
- Mindestens 12-14 fixe Tage nur allein für die Therapie in Klinik und Krankenhaus
- Zusätzlich nochmal 5 Tage für weitere Arztbesuche aufgrund der Allergie
- Zusätzlich nochmal 7 Tage für Scherereien mit Krankenkasse, Lieferproblemen mit Medikamenten, Sozialministerium, etc.
- Das Kind muss immer von einem Elternteil begleitet werden, beim Sporttraining, beim Turnier, in die Musikschule, bei größeren Schulveranstaltungen wie Schwimm- oder Schikurs, weil es den Pädagogen wegen der Sondersituation zu schwierig ist den Überblick zu behalten, zu Kindergeburtstagen, beim Spielen bei Nachbarskindern, etc.
- Die Zeit für Einkäufe von Lebensmitteln und Pflegeprodukten verdoppelt bis verdreifacht sich, weil immer alles geprüft werden muss.
- Bedeutender zeitlicher Mehraufwand für die Zubereitung von Speisen, weil vieles selbstgemacht werden muss, wie Brot, Eis, Backwaren.
- Vermehrter Zeitaufwand für Hygienemaßnahmen innerhalb und außerhalb der eigenen vier Wände
- Zeit um andere wie z.B. Kindergarten, Schule, andere Eltern, aufzuklären und Unterlagen bereitzustellen.
- Jeder Ausflug und jede kurze Reise verlangen zusätzliche Vorbereitungen. Wo wird eingekehrt? Vorab schriftliche Nachfrage beim Restaurant, besprechen möglicher Mahlzeiten. Wie ist im Notfall die Eintreffzeit der Rettung, wo das nächste geeignete Krankenhaus.
- Ständiges Mitführen und Schützen (z. B. Temperatur) der Notfallausrüstung. Regelmäßige Prüfung und Erneuerung der Notfallmedikamente für privat und z.B. Schule.
- Jeden Tag die ca. 2-stündige Überwachung nach Medikamenteneinnahme
Monatliche Zusatzkosten
Pro Monat ca. € 500.- zusätzlich auf der Ausgabenseite die sich aus folgenden Punkten zusammensetzen:
- Rezeptgebühren
- Parkgebühren für Klinik und Krankenhaus
- Kosten für ärztliche Leistungen welche die Kasse nicht übernimmt.
- Vermehrte Fahrtkosten, weil das Kind überall hinbegleitet werden muss.
- Eigenes Notfallhandy für das Kind.
- Stark steigende Ausgaben für Lebensmittel, da sicher spurenfreie Produkte oft teurere Produkte sind. Teils auch Lieferungen direkt vom sortenreinen Erzeuger.
- Anschaffungen wie Notfalltaschen, Notfallrucksack, Trainerpen, etc.
- Ausgaben in Zusammenhang mit Küchenutensilien für Backen, Eis, etc.
- Kein billiger Pauschalurlaub mehr möglich.
- Natürlich wird auch etwas mehr Geld ausgegeben um das Kind nach Arztbesuch, Aufdosierung, Provokation etc. für seine Mitarbeit zu belohnen, damit auch ein positives Erlebnis damit verbunden ist.
- Ausgaben für Aktionen (Fasching, Ostern, Nikolaus) in Kindergarten und Schule für alle Kinder, damit von anderen nicht nur zwanghafter Verzicht oder Negatives mit dem eigenen Kind in Verbindung gebracht wird.
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